Jadu - Nachricht vom Feind

Auf ihrem am 08. Februar 2019 erscheinenden Debütalbum „Nachricht vom Feind“ verzahnt die Berliner Sängerin Jadu auf clevere Weise Gesellschaftskritik und martialische Stilfiguren, Dream Pop und subtile Erotik. Jadu bedient sich dabei militärischer Metaphern, ihre Musik lebt aber ebenso von Zweifeln, einem virtuos betriebenen Spiel mit Antagonismen, von düsterer Erotik und der Lust am Abgrund. So verdichtet die Musikerin vermeintliche Gegensätze auf bestechende Weise zu einer in dieser Form noch nicht gehörten Rockmusik.

Zerrissenheit, Zwiespalt, Spannungszustand, Ambivalenz. „Ich habe mein bisheriges Leben überwiegend als Kampf empfunden“, sagt Jadu. „Die Schule war ein Kampf, die Liebe sowieso, ich habe um Freundschaften gekämpft, um Anerkennung, um die Liebe meines Vaters, um Selbstakzeptanz und einiges mehr. Darüber habe ich ein Faible für militärische Ästhetik entwickelt.“ Das Militärische ist in Jadus Kunst also eine Metapher für innere und äußere Kämpfe.

Nachhaltig geprägt wurde Jadu von ihrer Mutter und ihrer Schwester. Erstere ist Künstlerin, die Schwester Sängerin und Schlagzeugerin, Jadu hat oft mit ihr zusammengearbeitet. In ihrer Kindheit waren die Soul-Platten der Mutter ebenso wichtig wie die Djembe-Trommeln des Vaters, auch wenn Jadu ihre Herzensmusik auf eigene Faust entdeckt: Die Schwester hörte Alicia Keys, Jadu natürlich Rammstein, Marilyn Manson, Marlene Dietrich, Wagner. Das alles: auf unterschiedliche Weise Kampfmusik.

Die Musik, die Jadu im Kopf hat, gibt es da draußen nicht. Also muss sie sie selbst machen. Eine große Unterstützung auf diesem Weg ist ihr Ehemann, der Rostocker Rapper Marteria. Das sich gegenseitig befruchtende Verhältnis der Eheleute beschreibt Jadu nicht zuletzt in dem Song „Feldzug Berlin“: „Ich hab Ausdauer, kann tagelang marschieren/Rostocks Hauptmann ist mein 1. Offizier/Flügel ausgebreitet, ich bin ein Lacin“ singt sie da.

„Nachricht vom Feind“ ist nichtsdestotrotz ganz allein ihr Baby. Von Anfang bis zum Ende, gibt sie nichts aus der Hand: Jadu gründet eine Plattenfirma mit einer guten Freundin, die auch das Management übernimmt – dem Zufall und vermeintlich guten Ratschlägen anderer soll hier nichts überlassen werden. Jadu hat stets ihren Instinkten vertraut, auch deshalb ist „Nachricht vom Feind“ das Album geworden, das alles, was hierhin in ihrem Leben passiert ist, in sich trägt und noch viel mehr.

Die erste Single „Uniform“ beispielsweise verbindet Sadomaso-Fantasien mit substanzieller Gesellschaftskritik. „Blitzkrieg“ ist ein Song über häuslichen Missbrauch. „Todesstreifen“ ein Song über Depressionen. Das Lied „Friedliche Armee“ ist ein verklausulierter Umweltschutz-Appel aus der Sicht von Bäumen, aber da muss man überhaupt erst mal draufkommen. Auch hier wieder: Tod, Armeen, Krieg. Ein eleganter Schachzug, durch den Jadu ihre Themen camoufliert und vielschichtig interpretierbar hält. „Sirenen & Wagner“ etwa ist ein Song aus der Perspektive von – ausgerechnet! – Eva Braun, der Geliebten Adolf Hitlers. Wie es Jadu aber dann gelingt, die naive, anhimmelnde Perspektive der zu Beginn der fatalen Affäre erst 17-jährigen Braun einzunehmen, macht den Song zu einer Metapher über die Kunst der Verführung.

Die Musik, die Jadu zu diesen Themen geschrieben hat, nennt sie selbst Military Dream Pop und tatsächlich verdeutlicht dieser Begriff ganz gut, worum es hier geht: Ihre Leidenschaft für industriellen Brachialrock verzahnt sie auf treffliche Weise mit Dream-Pop-, barocker Gothik und Trip-Hop-Anklängen. So entsteht ein facettenreicher, im besten Sinne zeitloser Stilmix mit maximaler Pop-Sensibilität.

Jadu – Nachricht vom Feind
VÖ: 08.02.2019
Deserteur/Groove Attack

(Presse, Online, Radio)